Beethovenhaus / Hafnerhaus

Zu Besuch bei Maestro Beethoven

Handelnde Personen:
Panthi
Beethoven: Stimme tief, mit leichtem Westfälischem Akzent
Der Bäckersbub Franz: Knabenstimme
Frau Tuschek, die Hafnerin
Neffe Karl: Beethovens Mündel, junger Mann, frech, berechnend

Panthi: Weißt Du, was „Sommerfrische“ bedeutet? So sagte man früher, wenn man im Sommer auf Urlaub gefahren ist. Mödling war ein besonders beliebter Ort, den viele Städter zur Sommerfrische besuchten. So auch Ludwig van Beethoven. Der lebte in Wien, der Musikhauptstadt des Kaiserreichs. Im Jahr 1819, als er schon ein älterer Mann war, nämlich 59 Jahre, kam er wieder einmal nach Mödling, um den Sommer hier zu verbringen. Er mietete diese Räume und fühlte sich sehr wohl. Stundenlang ging er im Wiener Wald spazieren und arbeitete ständig an seinen Kompositionen. Auch hier an solch einem Hammerflügel….. Auf diesem hier hat Beethoven zwar nicht gespielt, aber er ist so gebaut, als wäre er jemandem, der kaum hören kann, auf den Leib geschneidert worden: der Korpus, das heißt der Körper des Instruments ist extrem wuchtig und kann so besonders starke Klänge erzeugen. Auch die Saiten sind dicker und stärker und die Tasten für die tiefen Töne sind umwickelt, damit man laut und abwechslungsreich darauf spielen konnte.

Kommt, wir machen eine Reise in das Jahr 1819!

Zeitreisemelodie

Aber pssst…. ich glaube da kommt jemand…

Schritte, dann ein lautes Klopfen an die Tür.

Franzi: klopft: „Frau Tuschek!“, klopft wieder: „Frau Tuschek! Na geh, da hört mich niemand, aber ich muss doch die Kipferl abgeben!  Es ist wer da, ich höre ja das Klavier. Wurscht, ich probier´s einfach…“

Franz macht die Tür auf, ein quietschend-knarrendes Geräusch.

Beethoven: Laut, aufgebracht: „Wer stört? Ach, der Bäckersbub von gegenüber! Ist die Hafnerin, die Frau Tuschek nicht da? Na, dann komm Er her und lass Er die Kipferl gleich da. Komponieren macht hungrig!“

Franz: „Danke, Meister Beethoven und auf Wiederschau´n!“

Tür fällt zu.

Franz hastig: „Ah, Grüss Gott, Frau Tuschek, da sind Sie ja wieder“

Frau Tuschek: „Langsam, Bub, ich hätt´ ja fast den Korb fallenlassen! Na, was würde der Meister wohl sagen, wenn ich seinen Lieblingswein verschütten tät! So bleib doch ein bissl. So heiß is´ es draußen und Du rennst zurück in die Backstube, wo´s noch viel heißer ist?“

Franz: „ Ich tät´eh noch viel lieber dableiben. So ein schönes Haus. Und so schön kühl ist es hier.“

Frau Tuschek: „Ja freilich! Es ist auch schon ein sehr altes Haus! Schau mal mit mir runter auf den Hof. Siehst du diese Bögen? Arkaden nennt man sowas. Dieses Haus stammt aus einer Zeit, die Renaissance heisst. Die Häuser aus dieser Zeit haben wunderschöne Innenhöfe mit Arkaden unter denen es im Sommer so herrlich schattig ist!

Plötzlich hört man freudiges Geschrei aus Beethovens Zimmer und es erklingt eine wunderschöne Melodie: eine Passage aus Beethovens Missa Solemnis

Franz:  erschrocken „Warum schreit der Meister denn so?“

Frau Tuschek:  „Brauchst Dich nicht schrecken. Er komponiert an einer Messe. Jetzt freut sich Meister Beethoven  weil ihm was Gutes eingfallen ist. A bissl streng klingt so eine Messe. Mir ist lieber, wenn er Tänze spielt, das klingt viel freundlicher…. Aber man kann sich´s halt nicht aussuchen. Auftrag ist Auftrag. Der Bäckermeister kann auch keine Striezel backen, wenn die Leut´ lieber Semmeln wollen…“

Franz: „Jessas, mein Meister! Ich muss zurück in die Backstub‘n, Frau Tuschek, auf Wiedersehen!“

Türenknarren, Beethoven kommt aus seinem Zimmer

Frau Tuschek: Maestro! Möchten Sie zu Mittag………..?

Beethoven: (unterbricht sie, rennt an ihr vorbei) „Komme gleich wieder….“, er eilt die Stufen hinunter: Schritte

Frau Tuschek:  „Da geht´s ja zu heute! Mir ist schon ganz schwindlig. Wer kommt denn da wieder? Ah, der junge Herr Karl! Grüss Sie Gott!  Ihr Onkel, der Meister Beethoven ist aber gerade hinunter gelaufen. Haben Sie ihn denn gar nicht getroffen?“

Karl: „Grüß Sie Gott, Frau Tuschek. Ähh…. nein, hab ihn nicht gesehen. Ich werde im Zimmer auf den Onkel warten.“

Panthi:  Uj! Das ist Karl, Beethovens Neffe. Seit sein Vater gestorben ist, kümmert sich der Meister um den Buben. Na hoffentlich stellt er nichts an, wisst ihr, Karl hat es nämlich so richtig faustdick hinter den Ohren! Ja, was macht er denn da? Er macht ja alle Laden auf, sogar in den Kasten schaut er hinein. Wonach er wohl suchen mag? Ob er in diesem Chaos etwas finden kann? Überall liegen Zetteln und Notizhefte herum. Ja, Meister Beethoven ist nicht gerade für seine Ordnungsliebe bekannt…. Na hoffentlich kann Meister Beethoven seine Notizhefte wieder finden, die sind ganz besonders wichtig für ihn! Er ist nämlich schon fast völlig taub und hat immer ein Heft, ein sogenanntes Konversationsheft eingesteckt, in das ihm die Menschen, mit denen er reden will, hinein schreiben müssen, was sie ihm sagen wollen.

Schritte

Hört nur, da kommt der Meister ja wieder!

Beethoven: sehr erfreut, geradezu herzlich „Karl! Grüss Dich, mein lieber Junge! Aber was machst Du denn da unter dem Bett? Hier, nimm das Heft, schreib auf, was Du suchst!“

Karl, keine Spur von verlegen liest laut vor, was er schreibt: „Lieber Onkel! Ich hätte solche Lust auf etwas Süßes, aber wo hast Du nur die Kekserl.“

Beethoven: „Da unten beim Nachttopf bestimmt nicht. Sieh mal, mein Junge: hier hast Du einen Kreuzer, geh runter zum Bäcker und hol´ dir was Gutes!“

Panthi: Und weg ist der Lausejunge!

Musik, gedämpft aus dem Zimmer zu hören.

Hör: da erklingen auch schon die Mödlinger Tänze.

Musik geht über in eine Passage aus einem der Mödlinger Tänze.

Credits:
Karl: Aleksa Laszovic
Beethoven: Rupert Bergmann
Bäckersbub Franz: Phillip Schiesser
Frau Tuschek: Danielle Elfaye
Panthi: Danielle Elfaye
Musik: Christian Schiesser, Dir. Mag. Reinmar Wolf, Danielle Elfaye
Schnitt: Christian Schiesser, Danielle Elfaye
Text: Marina Gschmeidler, Ruth Lössl