Pfarrkirche St. Othmar

Was der wohltätige Pfarrer von St. Othmar zu erzählen hat

Handelnde Personen:
Panthi
Dechant Adalbert Kowatschitsch…. bisschen altmodischer Herr mit trockenem Humor und Umgangssprache
Ministrant Fritz

Panthi: schläft (schnarch, schnarch, schnarch )

Zeitreisemelodie

wacht auf:  Uaah, gääähn …. Mhhmm hab ich gut geschlafen!

Oh? Was ist das? Im Schlaf dürfte ich wohl eine Zeitreise gemacht haben! Gelandet bin ich bei der St. Othmarskirche. Direkt vor der Bank, von der aus man einen so schönen Ausblick über Mödling hat. Aber in welchem Jahr sind wir denn jetzt?

Ah, da kommt ja ein Festzug von der Pfarrgasse herauf!

Und ganz vorne der Pfarrer Kowatschitsch. Dann weiß ich schon, in welcher Zeit wir sind – im Jahr 1960. Da feiert dieser herzensgute Pfarrer seinen 60. Geburtstag und ganz Mödling feiert mit, weil er so beliebt ist. Jetzt kommt der Herr Pfarrer mit einem Ministranten

Pfarrer: Ach, Fritz, so ein Rummel! Komm, setz ma uns auf ein Bankerl und verschnauf ma ein bisserl.

Fritz:  Ja, Herr Dechant. Aber fragen die Leut nicht nach Ihnen? Ist alles in Ordnung mit Ihnen, Herr Dechant?

Pfarrer:  Fritz, sorg dich nicht, ich muss nur kurz ausruhen. Du weißt ja, wie gern ich hier sitz, so zwischen dem Karner und unserer schönen Othmarskirche.
Weißt Du eigentlich, dass der Karner eines der ältesten Bauwerke Mödlings ist? Der stammt noch aus dem Mittelalter.

Fritz:      Herr Dechant, was ist ein Karner eigentlich?

Pfarrer:    Ein Karner, oder lateinisch Ossarium, ist ein Beinhaus. Darin wurden die Knochen der Verstorbenen gelagert, wenn ihre Gräber aufgelassen wurden. Manchmal ist in einem Karner auch eine Grabkapelle untergebracht, so wie das bei unserem der Fall ist.
Schau dir das Relief über dem Torbogen an. Das zeigt eine mittelalterliche Jagdszene. Besonderes Merkmal der romanischen Portale waren auch die vielen verschiedenen Muster. Lauf hin und schau sie dir genauer an, Fritz!

Laufschritte, sich entfernend

Fritz: ruft von weiter weg  Das sieht aus, als hätte jemand Knoten in die Säulen gemacht! Lustig! Und da, da erkenne ich Lilien und Spiralen. Ha!    Und das sieht aus wie eine Zange! Oh! Die Türe ist abgesperrt! Wie sieht es denn innen aus, Herr Dechant?

Pfarrer: auch rufend Drinnen sind Wandmalereien, Fresken genannt, die viel von der Entstehung des Karners erzählen.

Gähnt, streckt sich, leiser, zu sich selber: So ein schöner Blick über Mödling!

Fritz:   Schritte, näher sich ihm wieder) Diese Mauer da vor dem Bankerl ist sicher auch schon alt. Und diese Öffnung da ganz unten – die schaut ja aus wie eine Schiessscharte! das kenn ich eigentlich nur von Burgen!

Pfarrer:  Genau, Fritz! Denn diese Kirche war eine Wehrkirche mit einer Wehrmauer. Und auch einen Graben gab es. Die Statue vom heiligen Nepomuk da drüben stand früher an der Brücke über dem Wehrgraben.

Fritz: Das kann ich mir wirklich gut vorstellen. Die Kirche sieht so mächtig aus wie eine Trutzburg!

Pfarrer: Dabei ist sie immer wieder zerstört und neu aufgebaut worden. Und selbst Manches, das die Verwüstungen heil überstanden hat,  hat hatmuss von Zeit zu Zeit restauriert werden, weil der Zahn der Zeit an ihm genagt hat. Wie zum Biespiel das hier….

Steht schwerfällig auf, Schritte. Schau da nach oben, siehst du die beiden Sonnenuhren? Die stammen noch aus der Zeit der Gotik im Mittelalter.

Fritz: Warum haben die gleich zwei Sonnenuhren gebraucht?

Pfarrer: Eine zeigt die Morgenstunden an, die andere die Mittags- und Nachmittagszeit.

Aber komm Bub, ich zeig dir noch etwas Besonderes. Hier an dieser Türe siehst du noch Spuren der Säbelhiebe der Türken, als sie das damalige Mödling zerstört haben. Die armen Mödlinger haben sich in der sogenannten Unterkirche versteckt, leider hat ihnen das nichts genutzt.

Fritz:    Die Unterkirche kenn ich doch, da ist im Advent immer die Krippe aufgebaut.
Und hier am Platz war doch früher ein Friedhof, wie es doch um Kirchen herum üblich war.

Pfarrer: Gscheiter Bub! Friedhof gibt´s hier keinen mehr. Aber da siehst Du noch einige Grabplatten von damals an der Kirchenmauer aufgestellt. Sie stammen von Gräbern herrschaftlicher Bürger und einige sind sogar aus rotem Marmor gemacht.

So, jetzt müss ma aber dringend wieder zu den Leuten zurück, Fritz.  Komm.

Fritz: Ja, gehen wir, Herr Dechant!

Schritte, sich entfernend

Credits:
Dechant Adalbert Kowatschitsch: David Ketter
Ministrant Fritzi: Clemens Fröschl
Panthi: Danielle Elfaye
Musik: Christian Schiesser
Schnitt: Christian Schiesser, Danielle Elfaye
Text: Marina Gschmeidler, Ruth Lössl