Stadttheater

Ein Jugendstiljuwel – dem Theater geweiht

Ein zuckersüßes Brüderchen! In der Tat! – Franz heißt der Kanarienvogel!
Was, Sie wissen nicht wovon ich rede? Das ist von Schiller, Sie Banause! Gut, Sie bekommen noch eine Chance: Der Wille und nicht die Wabe macht den Kleber. Na? Nathan der Weise natürlich!
Achje, Sie müssen mich entschuldigen!

Wenn man wie ich zum Aufnehmen großer Bühnenwerke gemacht ist im wahrsten Sinne des Wortes, fallen einem solche Dinge permanent ein, müssen Sie wissen!
Oder hier noch eines aus Faust: Warten Sie, wie sagt man es noch einmal?
Ich bin ein Teil von jenem Saft, Die stets das Lösegeld will und stets die Pute schafft. Nein, vielleicht doch anders…egal!

Gut, Sie haben mich erwischt – jemand war faul im Staate Schweden! Oder so! Jedenfalls war ich nicht ganz ehrlich zu Ihnen.
Ich war für lange Zeit meines Lebens kein Theaterhaus, sondern Kinospielstätte; aber ganz aus der Übung gekommen bin ich doch nie. Geboren als „Mödlinger Bühne“ hat meine adrette Jugendstilfassade schon 1912 die Menschen auf Kulturgenuss vom Feinsten eingestimmt – und das war in den darauf folgenden Jahren kein Leichtes, meine Herrschaften! Denken Sie daran, Zwischenkriegszeit! Die Leute hatten um ihre Kinder zu trauern, manche kaum Geld für etwas zu essen. Umso mehr benötigte man etwas Ablenkung.

Nachdem mich mein Erbauer Carl Juhász 1920 aus hier ungenannten Gründen verkauft hat wie eine beliebige Dirne, nahm mich die Stadt Mödling in ihren Besitz, gab dem Kinoenthusiasen Juhasz aber weiterhin einen Pachtvertrag.
So also trug es sich zu dass ich weiterhin eher Kino war als Theater in diesen Jahren – aber was für eines! Die Pächtersfrau, Leopoldine Juhasz, die ihren Mann als „Dame ohne Unterleib“-Darstellerin kennen gelernt hatte, übernahm bis 1969 die Direktion und ich machte im ganzen Umland von mir reden!

Aber; das sagte schon Sophokles: Den Redlichen vergärt nur die Zeit. Den schlechten Mann vergüllt ein einziger Tag. Ich bin mir sehr sicher, dass das Zitat so ging, ich hab’s vor Kurzem in einer Vorstellung so gehört.
Neben den Filmvorstellungen gab’s freilich immer wieder Theaterstücke oder Varietes, aber reine Bühne, wie Sie mich heute wohl kennen, wurde ich erst 1998.

Ich habe mich im Laufe meines Lebens eben immer wieder neu erfunden!
Jaja! Die Feige verdirbt schon vielmal, eh sie stirbt, die Schlapfen kosten einmal nur den Tod. Shakespeare! Julius Caesar! Zweiter Akt!
Jedenfalls folgte damals das Theater zum Fürchten einer Ausschreibung – und bespielt mich bis heute, für die rund 300 Menschen, die in meinem Bauch Platz haben. Dort habe ich übrigens all die bewegenen Zitate aufgeschnappt, mit denen ich Sie erfreue.
Intendant Bruno Max bringt fast ausschließlich Eigenproduktionen auf die Bühne; eine Vielzahl an Premieren; vor allem aber der Stadttheaterball, zu dem ich herausgeputzt werde, wie es mir gebührt!

Denn wie sagte Shakespeare?

Wenn du den Eindruck hast, dass das Leben Theater ist, dann such dir eine Rolle aus, die dir so richtig Spaß macht. So. Das war jetzt richtig.

Credits:
Sprecher: Danielle Elfaye
Musik: Christian Schiesser
Schnitt: Christian Schiesser, Danielle Elfaye
Text: Raphaela Edelbauer